Die Gewinnerin steht fest

Wettbewerbsbeiträge

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Tauchen Sie ein in die ersten Sätze unterschiedlichster Lebensgeschichten:
einzigartige Erfahrungen, die das gesamte Spektrum menschlichen Erlebens anklingen lassen 

von humorvoll bis düster, heiter bis tragisch, schmerzvoll bis kämpferisch, kurios bis unglaublich.
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Gib niemals auf: Lebenspläne können sich ändern, auch wenn man dabei zuweilen ins Kreuzfeuer gesellschaftlich definierter Normen gerät. Doch nur das Loslassen gab mir die Möglichkeit, mich neuen Herausforderungen zu stellen. Heute weiß ich: Flexibel bleiben, sich nicht gegen den Fluss des Lebens stellen, Mut zu Veränderungen zu haben, sind gute Begleiter auf der Suche nach dem kleinen Stückchen Glück.

Bernd Wagner

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Eine meiner ersten bewussten Erinnerungen an meine Kindheit ist, wie ich mit fünf Jahren zusammen mit meinem Sandkastenfreund Thomas aus dem Kindergarten abgehauen bin. Bewaffnet mit einem Löffel hatten wir in mühevoller Kleinarbeit ein Loch unter dem Zaun gegraben und durch dieses schlüpften wir in einem unbeobachteten Moment. Natürlich blieb das nicht unentdeckt und meine größte Sorge war, dass dies im schwarzen Buch von Knecht Ruprecht vermerkt werden würde, der in der Vorweihnachtszeit zusammen mit dem Nikolaus den Kindergarten aufsuchte und den nicht braven Kindern mit der Rute den Hintern versohlte – es sollte mein erster Ausbruch in einer langen Reihe von Selbstbefreiungsaktionen sein.

Stefan Krause

 

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Ich sitze mit meinem Freund in meiner neu eingerichteten Wohnung an der Theke zur Küche bei einer Tasse Kaffee und einer Zigarette – der Grund seines Besuchs ist, er will mein neues Heim sich einmal anschauen und sich nach meinem Befinden als Single erkundigen. Ich bin seit einiger Zeit Witwer, körperlich und geistig absolut fit und fühle mich dementsprechend jung. Von meiner neuen Wohnung ist er absolut begeistert, und auf seine Frage wie es mir geht, antworte ich... BESCHEIDEN.

Roland Jäger

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Es reicht, ab sofort mache ich nicht mehr mit! Für diese Erkenntnis habe ich über 60 Jahre meines Lebens benötigt. Ehrlich zu mir selbst sein, der Wahrhaftigkeit folgen, sich nicht mehr verbiegen, den Mund aufmachen, auch wenn es unangenehme Konsequenzen hat … und diese folgten prompt.

Ulrike Bertram

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Es war an einem Sonntag, ich war 20 Jahre alt, saß mit meinen Eltern in unserer Küche und eröffnete ihnen, dass ich ausziehen würde; zu meiner damaligen Freundin Dorothea und ihrer kleinen Tochter Tamara. Nach betretenem Schweigen antwortete mein Vater: „Wenn Du das tust, wirst Du in spätestens einem halben Jahr unter diesem Tisch sitzen, um 50 Pfennig betteln und von mir keinen Groschen bekommen.“ Um nie – wirklich nie – in diese Situation zu kommen entwickelte ich großen beruflichen Ehrgeiz, der mich prägte, bis in den Vorstand einer börsennotierten Aktiengesellschaft brachte und von dem ich mich erst sehr viel später, nach über 30 Jahren, lösen konnte.

Klaus Heinzel

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Mein Geburtstag liegt in einer Zeit des Aufbruchs, der unbeschwerten Zukunft, mit einer Welt voller Möglichkeiten, vor allem aber einer ohne Angst, obwohl der kalte Krieg kurz nach meiner Geburt die Welt an den Rand eines Atomkrieges brachte. Trotz oder vielleicht deswegen, schauten wir frohen Mutes in die Zukunft, machten uns keine Sorgen, turnten als Kinder 5-6 m hoch in den Bäumen herum, natürlich ohne jedwede Sicherung oder Aufsicht und wenn man sich dann doch wehtat, dann konnte es passieren, dass man noch Ohrfeigen obendrauf bekam. Unsere Jugend war unbeschwert, wir durften fast alles, erlebten die sexuelle Revolution, wie auch die Revolution der Jugend insbesondere in der Musik und wussten trotzdem wo unsere Grenzen waren, wobei einschränkend hier die Rede von der Jugend auf dem Land ist, kamen aber niemals auf die Idee, dass die Welt bald untergehen würde; ja vielleicht der ein oder andere, der schon immer abgedreht war, aber niemals die Gesamtheit meiner Generation.

Frank Engel

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Leben kann man nur in der Gegenwart, aber immer dann, wenn diese an Würze verliert, erinnern wir uns gerne einer besseren Zeit. Dann wird das Innere wie einen Handschuh umgekehrt und wir lassen die Vergangenheit noch einmal an uns vorbei ziehen – das gibt uns einen vorteilhaften Beobachtungspunkt zu den Dingen. Diese Zeilen möchte ich all denen widmen, die zum Geschehen beitrugen, meinen Lebensweg in irgendeiner Form kreuzten, an mich glaubten – in guten, wie in schlechten Zeiten – und ganz besonders den Menschen, denen ich zu Dank verpflichtet bin.

André Stephan Schalling

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"Warum wird man erst geboren, wenn man doch sterben muss?" Mit dieser Frage habe ich mich, im Alter von acht Jahren, auf mein Bett geworfen, voller Kummer und Traurigkeit über den Tod meiner Großmutter.

Vier Jahre später zog meine mir liebste älteste Schwester in eine weit entfernte Großstadt und auch das machte mich sehr traurig, weil ich sie – wie meine Oma – als beschützend und mir Sicherheit bietend empfunden habe.

In diesem Moment habe ich beschlossen, dass ich eine eigene Familie gründen will und vier Jahre später war es soweit...

Dorothea Heinzel

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1937 – Hitler ist an der Macht, ich werde im Sudetenland geboren.
1959 – 15 Jahre nach dem verlorenen Weltkrieg folgt Heirat und die Gründung der Familie.

2022 – das Jahr der Auflösung der alten Ordnung; ich sitze auf meinem Ruhesitz in Ungarn und lasse die alte Welt an mir vorüberziehen.

Margaretha Link

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Meine Reise nach Europa begann in einer Seekiste – meine Eltern beschlossen, als ich noch keine sechs Jahre alt war, Brasilien zu verlassen, um nach Deutschland zurückzukehren. Sie verkauften ihr gesamtes Hab und Gut, packten die Koffer und mich in eine Seekiste, die am oberen Ende mit zahlreichen Luftlöchern versehen war, säuberlich in exakten Reihen gebohrt. Die Überschiffung von Sao Paulo bis nach Genua mit dem Handelsschiff Cabo san Boque dauerte drei Wochen.

Ines Bahlmann

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Nicht jedes Licht führt hinauf zur Sonne und nicht jeder Fluss fließt zurück ins Meer. Nachdem meine Suche nach Leben immer wieder in Sackgassen endete, musste ich begreifen: Erst, wenn ich mein eigenes Leben verlieren würde, sollte ich es für immer gewinnen und würde nie mehr dieselbe sein…

Claudia Sautter

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Ich habe mir oft gewünscht, nicht als schreiender Säugling, sondern als tattriger Greis geboren zu sein, um wie Benjamin Button rückwärts zu leben. Dement, gebrechlich und impotent würde ich langsam meinen Geist und meine Kräfte zurückgewinnen, wäre Jahrzehnte lang stark und schlau, um dann mein Leben, die Angst vor dem Tod und die Sexualität zu vergessen. Noch etliche Jahre hemmungslos dem Spieltrieb hingegeben, würde ich die Welt nicht dahinsiechend, alt und krank verlassen, sondern als eine Art umgekehrten Urknall in einem einzigen Orgasmus!

Norbert Schnaubelt

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Geprägt durch Erfahrungen an der ehemaligen Grenze der damaligen DDR, war mein Grundsatz: Ich bereise nie wieder ein Land hinter dem Eisernen Vorhang. 1984 – Konzertreise nach Ungarn (Zirc), obwohl ich im Vorstand war, habe ich an der Reise nicht teilgenommen, musste dann aber zusammen mit dem Vorsitzenden vom Gesangverein nach Zirc reisen ( Abrechnung usw.). Heute habe ich ein Haus am Balaton, bin Eigentümer von dem Thermalcamping in Pápa und mehr in Ungarn als in Deutschland.

Gerhard Hofmann

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22 Jahre habe ich auf diesen Zufall gewartet. Da stand er nun 10 Meter vor mir in der selben Schlange vor dem Eincheck-Schalter für den Flug Frankfurt-Boston – noch immer apart anzuschauen, das lockige Haar etwas gekürzt und mit ersten grauen Strähnen versehen. Der Zufall trieb es noch auf die Spitze, denn der mir zugewiesene Sitzplatz sollte sich direkt neben seinem befinden.

Anja Zimmer

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Wem vertraut man sich an, wenn das Urvertrauen gebrochen wurde von Vater, Mutter, Onkel, Lehrer, Pfarrer? Wer hilft Dir, wenn das eigene Leben schon von Beginn an nie dir selbst gehört? Ich wurde in eine dunkle Welt hineingeboren und es hat mich viele Jahrzehnte gekostet, mich daraus zu befreien, um endlich ein kleines bisschen Licht zu sehen.

Eva M.

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Als Kind lag ich auf der Wiese hinter unserem Haus und träumte bei Bienengesumm und Vogelgezwitscher von der wunderbar großen Welt. Peu à peu nahm die Realität von mir Besitz, ich wurde konfrontiert mit den Herausforderungen des Daseins nach 1945. Jetzt im hohen Alter liege ich im Liegestuhl unter einem Baum und sinne nach, welche meiner Träume sich erfüllt haben, reihe Episode an Episode wie Perlen an einer Schnur.

Greta Gramer

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Einst war mein Leben so wunderbar,

ein Traum voll Glück und Liebe,

das ist verschwunden mit der Gefahr,

in der wir uns nun befinden.

 

Einst war mein Leben voll Hoffnung,

und vielen Bildern zu jeder Zeit,

nichts ist davon geblieben,

nur Schatten die das Licht vertrieben.

 

Einst war mein Leben ein Geben und Nehmen,

nun ist das alles ein Traum geblieben,

der einstmals war so wunderschön,

und nun im Grauen der Einsamkeit

alleine zurück geblieben…
Josi M.

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Was ich absolut nicht verstehen kann, das sind Menschen die anderen in den Körper stechen oder in sie schneiden können, so wie ein Chirurg es tut als Beispiel, der sicher genau dazu geboren wurde. Und trotzdem musste ich es tun, mit einer Schere, die man mir in die Hand drückte. Alles in mir sträubte sich und ich sagte: nein das kann ich nicht  tun… und tat es trotzdem, nicht wissend, daß es sich um einen Akt handelte, der mein ganzes weiteres Leben beeinflussen sollte in Form einer übersinnlichen Verbundenheit, Leidensfähigkeit, die über alle Grenzen hinaus gehen.

G.M.

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Gesehen hatten wir uns im Juni 1962 auf einem Seminar in Eltville am Rhein, zu dem meine Lehrfirma mich geschickt hatte. Er war einer der Referenten und berichtete über die geschichtliche Entwicklung Rußlands und ich hörte gebannt zu. Wieder zu Hause kam ich auf den Gedanken, ihm zu schreiben.

Anita Treguboff

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Ihre durchschlagende Rechte Ohrfeige kam ohne Ansatz und fast unsichtbar: Schwester Birgit war schon zu Lebzeiten eine Legende für gute konservative Erziehungsmaßnahmen. Die Kinder im Kindergarten an der Katzmeierstraße hatten einen Heidenrespekt vor ihr, obwohl alle katholisch waren. Diesmal wurde Ronald handfest zurecht gewiesen; kurz danach lag er weinend am Boden - ja die guten alten Zeiten.

Valentin Sauer

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Hartnäckig, besserwisserisch, mollig, klein, aber oho, beruflich stark engagiert, hungrig nach Zärtlichkeit, Frau und überhaupt. Wo ist das seltene Exemplar, das ähnlich oder ganz anders ist? An Heiligabend 1997 erschien das Chiffre-Inserat unter meinem Sternzeichen Schütze und zwei Monate später war ich mit diesem seltenen Exemplar drei Wochen auf Karibikurlaub. 

Gertrud Zürcher

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Gutaussehend, pumperlgesund und dann auch noch wohlhabend. Das Schicksal hat es gut mit mir gemeint – das denken andere von mir. Ich hingegen habe immer das Gefühl, etwas Entscheidendes verpasst zu haben.

Helmut F.

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Mein Tod war bereits in dem Moment vorprogrammiert, als ein neugieriger Samen meines Vaters das bereitwillige Ei meiner Mutter beglückte. Unbekannte Kräfte geben mir die Richtung, sie lassen mich Wiesen streicheln und Bäume entwurzeln - sie lassen mich Blüten mit Pollen befruchten und die reifen Samen in unwirtliches Land tragen - ICH bin wie der Wind. Meine Spur hat kurze Zeit verändert bis andre Winde folgen und alles verwehn.

Gerhild Schinabeck-Lohnes

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Es waren vielleicht die vorgetretenen Wege der Eltern und meine zu diesem Zeitpunkt sicher zu kurz gedachten Überlegungen, auch etwas „Vernünftiges“ zu lernen. Der Job im Büro brachte mir ein gutes Auskommen, doch immer öfter sehnte ich mich danach, meine wahre Passion zum Beruf zu machen. 2012 stellte sich mir die Frage „Warum eigentlich nicht“: Ich kündigte den „sicheren“ Job, wurde Inhaber eines kleinen aber feinen Bistros und freute mich jeden Tag über meine Entscheidung, bis im Jahr 2020 Corona alles zunichte machte.

Michael Feldmann

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Haben Sie sich schon mal die Frage gestellt, wie es wäre, wenn Sie einfach verschwänden, von jetzt auf gleich, ohne Ankündigung? Dann würden Sie sich prächtig mit meinem Vater verstehen. Er verschwand vor 45 Jahren, ganz klassisch mit dem Satz, er gehe mal schnell Zigaretten holen…

Annette Keller

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Unter widrigen Umständen 1941 in Leverkusen  geboren, glücklich in der Rhön nahe der späteren"Zonengrenze" auf dem Dorf mit der Mutter aufgewachsen in der Evakuierung bei Verwandten. Nach der späteren Rückkehr als Kind den Kontakt zu den in Omas Haus eingewiesenen Flüchtlingen genossen. Am schönsten war die Fülle von Papier und Farbstiften, die mir stets zur Verfügung stand, die ich reichlich nutzte...

Angela Sohler

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Neue Wege: "Warum willst du damit warten, fragt meine Freundin, als ich ihr von meinem Traum erzähle, verwirkliche ihn doch jetzt!" Jaaa..., ein wunderbarer Plan ist in der Welt und mit dieser freudigen Erkenntnis starte ich zwei Monate später, bei Frühlingsbeginn, ganz alleine, in Richtung Süden, ich werde drei Wochen lang auf Wanderschaft unterwegs sein und wertvolle Erfahrungen machen. Meine Familie verabschiedet mich, bis zu diesem Zeitpunkt habe ich meinen Mann Klaus noch nie weinen gesehen...

Dorothea Heinzel
(2. Wettbewerbsbeitrag)

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